Schule als Gemeinschaft

Demokratie und Schule sind wechselseitig aufeinander angewiesen. Die Schule muss selbst ein Vorbild der Gemeinschaft sein, zu der und für die sie erzieht. Sie muss ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche die Erfahrung machen, dass es auf sie ankommt, dass sie gebraucht werden und „zählen“. Sie muss ihnen die Zuversicht mitgeben, dass das gemeinte gute Leben möglich ist, dass es dabei auf jeden Einzelnen ankommt, dass Regeln und Ordnungen hilfreich und notwendig sind. Zu diesem guten Leben gehört, dass die Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Menschen als Reichtum angesehen wird, dass Schwächere geschützt werden, dass die gemeinsam festgelegten Regeln und geltenden Werte dem Egoismus der Einzelnen Grenzen setzen. Dazu gehört auch die Erfahrung von gemeinsamen Festen, Feiern und Reisen, von selbst gestalteter freier Zeit und Diensten an der Gemeinschaft, von Orientierung in der Arbeitswelt und der Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft. Die Werte, zu der die Schule erzieht, müssen mehr als „Unterrichtsstoff“ sein; Selbstständigkeit und Verantwortung, Solidarität und Hilfsbereitschaft, Empathie, Zuwendung und Mitleid müssen im Alltag gelebt werden. Die Zukunft der „Bürgergesellschaft“ hängt auch davon ab, ob und wie die nachwachsende Generation sich ihre kulturelle Überlieferung und ihre Werte aneignet; dazu gehört auch, andere Kulturen zu verstehen und achten zu lernen.

 

Die Standards zu dieser Vorgabe sind nach folgenden Rubriken differenziert:

  1. Achtungsvoller Umgang/Schulklima
  2. Schule als Lebens- und Erfahrungsraum
  3. Schule als demokratische Gemeinschaft und Ort der Bewährung
  4. Öffnung der Schule/Teilhabe an der Gesellschaft
  5. Qualitätskriterien für/ Bewertung und Präsentation von Leistungen

3.1 Achtungsvoller Umgang/Schulklima

Standards für pädagogisches Handeln Wie werden die Standards an unserer Schule umgesetzt?
Die Schülerinnen und Schüler erfahren an ihrer Schule, dass Menschen achtungsvoll miteinander umgehen.

Die Erwachsenen in der Schule nehmen ihre Vorbildfunktion den Kindern gegenüber wahr und versuchen, im gegenseitigen Austausch einen achtungsvollen Umgang miteinander zu pflegen. Ebenso respektvoll begegnen sie anderen Erwachsenen und Gästen an unserer Schule.

Den Kindern wird in Gesprächen kindgemäß und auf Augenhöhe begegnet.

Rituale wie z.B. die gemeinsame Begrüßung und Verabschiedung im Sitzkreis sowie die Warme Dusche unterstützen den achtungsvollen Umgang miteinander.

Die Kinder lernen insbesondere durch das Patensystem, um Hilfe und Unterstützung zu bitten und sich gegenseitig zu helfen.

Der gegenseitige Umgang orientiert sich an der „goldenen Regel“ der Empathie und Gegenseitigkeit (Reversibilität). Alle Beteiligten an der Schulgemeinschaft pflegen einen gleichwürdigen und respektvollen Umgang miteinander. Dies wird folgendermaßen umgesetzt:
  • Lehrerinnen und Lehrer sowie die Kinder sind dazu in der Lage, sich für Fehler zu entschuldigen.
  • Die Kinder hören und besprechen in Klassenratssitzungen die Standpunkte/Gefühle anderer und reagieren darauf, indem sie sich in andere Kinder hineinversetzen, Probleme nachvollziehen, gemeinsam nach Lösungen suchen und dabei die Wünsche anderer respektieren.
  • Den Kindern wird Raum zum gegenseitigen Trösten gegeben.
  • Durch gelebte Inklusion wird die Verschiedenheit aller gewürdigt („Alle sind verschieden. Und jede/r ist besonders.“).
    Auch kleine Lernfortschritte werden (z.B. im Wochenabschlusskreis) gewürdigt.
  • Das Patensystem trägt dazu bei, dass die Kinder üben, sich wechselseitig in andere einzufühlen.
Sie lernen, die Formen des gegenseitigen Umgangs achtsam wahrzunehmen und bewusst zu pflegen.

Rituale (wie der Klassenrat) und gemeinsame Absprachen  innerhalb der Klasse (z.B. Aufzeigen, Zuhören, Ruhezeichen, leises gemeinsames Aufstellen und rücksichtsvoll durch das Gebäude gehen) fördern das Bewusstsein für ein gesundes und wertschätzendes Miteinander.

Entwickelte Schulregeln gelten im Vormittagsbereich und in der Betreuungszeit. Konsequenzen, die aus eventueller Nichtbeachtung folgen, sind allen bekannt.

Kooperative Arbeitsformen tragen dazu bei, dass Kinder lernen, miteinander zu arbeiten und voneinander zu lernen.

Kinder mit besonderem Förderbedarf in diesem Bereich erhalten Unterstützung. Die Sonderpädagogin steht dabei den Lehrerinnen und Lehrern und den OGS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern beratend zur Seite.

Sie erfahren und praktizieren Formen der Höflichkeit, die sie im Austausch mit anderen reflektieren und akzeptieren.

In verschiedenen Situationen des Schulalltags (vor- und nachmittags) erhalten die Kinder Raum, Formen der Höflichkeit kennenzulernen, umzusetzen und zu reflektieren (z.B. Klassenrat, Kreisgespräche, kooperative Lernformen, gemeinsames Mittagessen in der OGS).

In den Klassen werden gemeinsame Begrüßungs- und Verabschiedungsrituale gepflegt. Tägliche Gespräche im Kreis bieten Raum zur Reflexion gelungener oder weniger gelungener Einzelsituationen und zur Entwicklung von Handlungsalternativen.

Kinder sowie Lehrerinnen und Lehrer sensibilisieren für verschiedene Höflichkeitsformen durch ihr eigenes Vorbildverhalten.

Kooperative Arbeitssituationen und ihre Reflexion erhöhen die Akzeptanz der Notwendigkeit von Höflichkeitsregeln.

In der OGS praktizieren die Kinder darüber hinaus Rituale der Höflichkeit, etwa beim gemeinsamen Essen.

Sie erfahren und praktizieren Rituale, deren Sinn und Grenzen sie im Austausch mit anderen reflektieren und akzeptieren. An unserer Schule praktizierte und regelmäßig reflektierte Rituale sind: Morgenkreis, Wochenabschluss, Wochenziele, Klassenrat-Buch, Klassensprecherinnen und Klassensprecher, Warme Dusche, Streitschlichterinnen und Streitschlichter, Dienste, Begrüßung, Verabschiedung, Abschlusskreis, „Rund ums Klassentier“ und Geburtstagsfeiern.
Wiederkehrende „Highlights“ im Schulleben: Übernachtung in der Schule, Klassenfahrten (Klassenfahrt-Konzept), Projektwoche, Schulfest,  einmal im Jahr steht jedes Kind auf der Bühne (Vorführungen bei Nikolausfeier, Weihnachtsfeier, Karnevalsfeier).
Sie erfahren, dass sie in der Schule gehört werden, so wie sie anderen zuhören, dass das, was sie vorzubringen haben, wichtig ist und „zählt“.

Wenn die Kinder ein Anliegen haben, z.B. in Konfliktsituationen, bei Erster Hilfe und Sorgen aller Art, können sie sich an alle am Schulleben Beteiligten wenden, um Hilfe zu erhalten.

Die Kinder können den Unterricht mitgestalten / Einfluss nehmen, indem sie in der täglichen  Freiarbeit Raum haben, sich eigene Interessenschwerpunkte zu wählen sowie sich Ziele zu setzen und diese zu verfolgen.

Gestaltungsmöglichkeiten im Ganztag: Beteiligung an der Essensauswahl, AG–Wünsche werden berücksichtigt, Themenwünsche für die Ferien können angegeben werden.

Sie achten auf ihre Sprache und lernen, die Wirkung von Sprache gemeinsam zu reflektieren. Im Rahmen der Fair-und-stark-Tage erlernen die Kinder unter Anwendung der Giraffen- und Wolfssprache (freundliches/unfreundliches Sprechen), ihr eigenes Sprachverhalten und das der anderen zu reflektieren. Dabei wird die Wirkung von Sprache im Alltag in verschiedenen Rollenspielen erprobt.
Sie lernen, durch bewusstes Sprachverhalten der Unachtsamkeit und Verrohung der Sprache entgegenzuwirken.

Die Kinder können im Klassenrat oder in Kleingruppengesprächen (mit und ohne Unterstützung durch Lehrerinnen und Lehrer oder Streitschlichterinnen und Streitschlichter) ausdrücken, wie die Sprache anderer auf sie wirkt und welche Gefühle diese bei ihnen auslöst.

Die Kinder erhalten Rückmeldungen zu eigenen Texten und Aussagen und deren Wirkung.

Sie lernen, Gespräche aufmerksam und diszipliniert zu führen. Sie vereinbaren Gesprächsregeln und achten auf ihre Einhaltung. Die Kinder nutzen - ebenso wie die Lehrerinnen und Lehrer - die vereinbarten Gesprächsregeln in der Klassengemeinschaft, wie z.B. den Leisefuchs, sich mit zwei Armen zu melden, wenn ihr Beitrag zu dem eines anderen Kindes passt, bzw. mit einem Arm zu melden, wenn sie etwas Neues zum Gespräch beitragen wollen. Im Rahmen von Streitschlichtung lernen die Kinder unter Anleitung von Mitschülerinnen und Mitschüler, Streitigkeiten friedlich zu klären.

Sie lernen, Konflikte als zum Leben gehörig anzunehmen, offen anzusprechen, sie friedlich und vernünftig zu lösen.

Sie lernen schrittweise Formen und Verfahren konstruktiver Konflikt-Bearbeitung.

Alle am Schulleben Beteiligten erleben Konflikte im Schulalltag. Sie lernen Konflikte anzunehmen und diese zunehmend selbstständig und in Ruhe zu lösen. Die Kinder erfahren dabei individuelle Unterstützung/Hilfestellungen durch ihre Lehrerinnen und Lehrer, durch den Klassenrat sowie die Streitschlichterinnen und Streitschlichter. Wir als Schule bieten verschiedene Formen und Verfahren der Konfliktlösung an:

- Frühe Mediation: „Störungen werden zeitnah besprochen“

- Die Frühstückszeit findet bewusst nach der Pause statt, um Gelegenheit zu bieten, in der Pause aufgetretene Konflikte direkt aufzuarbeiten.

- Konflikte können mit der Bitte um einen Schlichtungstermin in die aushängende Streitschlichtungs-Liste eingetragen werden.

Sie lernen, mit Sachen achtsam umzugehen und sie als Bestandteil des gemeinsamen Lebens zu respektieren. Alle am Schulleben Beteiligten legen Wert auf einen achtsamen Umgang mit den im Schulgebäude befindlichen Gegenständen (siehe zweite Schulregel). Die Kinder lernen, bei entstandenem Schaden dafür einzustehen. In Unterricht und Betreuungszeit sind die Materialien und Spielsachen geordnet. Es gibt vereinbarte Dienste zur Pflege und zum Ordnen der Dinge (Blumen, Kakaokiste, Spielehäuschen-Dienst …) Der Spielehäuschen-Dienst zeigt sich verantwortlich für Ausgabe und Rückgabe der  Spielgeräte.
Sie lernen, Grenzen als begründeten Schutz des gemeinsamen Lebens zu respektieren und Grenzüberschreitungen nicht passiv hinzunehmen. Unsere Schulregeln gelten im Vormittagsbereich und in der Betreuungszeit. Schulregeln und ihre Konsequenzen, die aus eventueller Nichtbeachtung folgen, sind allen transparent  (Pädagogische Geschlossenheit aller am Schulleben Beteiligten) und Grenzüberschreitungen werden von allen einheitlich – bei Bedarf konsequent – eingefordert. Insbesondere an unseren Fair-und-stark-Tagen lernen die Kinder, eigene Grenzen wahrzunehmen, diese zu verbalisieren und Grenzen konsequent einzufordern.