Gedanken zur Notengebung

Das Kollegium der Nikolaus-Schule fühlt sich dem pädagogischen Leistungsbegriff, den die Richtlinien und Lehrpläne des Landes Nordrhein-Westfalen vorgeben, verpflichtet. Die individuelle Lernentwicklung steht im Mittelpunkt. Leistungen sind daher nicht nur Ergebnisse, sondern auch Anstrengungen und Lernfortschritte. Wir wollen Kindern Sicherheit geben und ihnen das Rückgrat stärken, die natürliche Lernfreude, Neugier und Motivation aufbauen und erhalten, damit sie ihre Kompetenzen in allen Bereichen bestmöglich weiter entwickeln.

Ganz generell bergen Noten, vor allem schlechte, die Gefahr, demotivierend zu wirken. Je jünger die Benoteten sind, desto schwerwiegender können die Folgen sein. Das Selbstbewusstsein kann empfindlich verletzt werden.

Auf der anderen Seite können gute Noten dazu führen, dass sich leicht lernende Kinder darauf "ausruhen". Dies kann zu Minderleistungen in der Zukunft führen.

Daher werden an der Nikolaus-Schule die Leistungen bis zum Abschluss des ersten Halbjahres der 3. Klassen nicht mit Ziffernnoten beurteilt. Stattdessen werden die Kinder regelmäßig mit ausführlichen Zeugnissen in ihrer individuellen Persönlichkeits- und ihrer Leistungs- und Lernentwicklung beurteilt.

Dass diese ohne Notenskala auskommen, öffnet den Blick auf die Lernwege des einzelnen Kindes. Eine differenzierte Rückmeldung bekommen die Eltern und Kinder in Tests oder Klassenarbeiten durch die Punktzahl und den Kommentar unter den Arbeiten. Punktzahlen werden erst durch eine weitergehende Kommentierung seitens der Lehrerin aussagekräftig. Denn genau so wenig wie in einer Note ist in der reinen Punktzahl nichts über Entwicklungen gesagt. Letztere sind ohne Zweifel die wichtigste Information, um die weiteren Schritte zum Wohle des einzelnen Kindes zu bestimmen. Dieses geschieht im Austausch mit Eltern, etwa durch regelmäßige Gesprächstermine und Beratung.

Dieses Konzept steuert zugleich dem Dilemma entgegen, dass Noten weder objektiv noch vergleichbar sind. Auch aus eigener Erfahrung erinnert sich wohl jede/r, dass manchmal ein Schul-, Klassen- oder auch „nur“ Lehrerwechsel das Notenbild erheblich verändern kann.

Durch eine verzögerte Einführung der Noten werden die Kinder im Entdecken ihrer individuellen (Wissens-)Welt nicht behindert. Das Gegenteil ist der Fall: Der Blick wird nicht auf ein „Besser-oder-Schlechter-als“ gelenkt, sondern es bleiben Lerninhalte und -wege im Mittelpunkt. Erfolgserlebnisse sind – gerade im Kindesalter – die Basis für ein lebenslanges und angstfreies Lernen.

Dass viele weiterführende Schulen für die Auswahl ihrer zukünftigen Schüler/innen oftmals auf zwei Notenzeugnisse Wert legen, ist in NRW gängige Praxis. Damit unseren Schulabgänger/innen hierdurch keine Nachteile entstehen, beginnen wir mit der Einführung von Noten bereits im zweiten Halbjahr der 3. Klasse.